Autor: Carsten 2. Juli 2017

Stage 13: Laheema Nationalpark – Sigulda ( 500 km | 7,5 h )

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Estland, wir sind verliebt!

Den ersten Bilderbuchmoment des Tages erlebten wir bereits einige Sekunden nach Erwachen, beim Öffnen der Zelte: Schneeweißer Sandstrand, die tiefblaue Ostsee fast an den Fußspitzen, warme Sonnenstrahlen, die zum ersten Mal seit Langem wieder kurze Hosen erlaubten – was nach schönem Urlaub klingt, war für uns nach ziemlich kalten Wochen das absolute Paradies!
Nach kurzer Katzenwäsche und frischem Kaffee ging es mit entsprechend bis zu den Ohren strahlenden Gesichtern zurück auf die Straße.
Auf nagelneuen EU-Straßen flogen wir in Windeseile direkt nach Tallinn. Die Stadt empfing uns mit perfekter Verkehrsführung und einem Parkplatz mitten im Zentrum. Seit dem Abend in St.Petersburg hatten wir keine ordentliche Mahlzeit mehr, und so war es selbstverständlich, dass unsere erste Anlaufstelle ein Restaurant mit Estnischer Küche war. Was dann folgte, war die pure Eskalation: Bergeweise Fleischgerichte, fettige Bratkartoffeln und Salatteller vom Buffet mit perfekter (schwäbischer) Stapellung – unsere Appetit war wohl größer als der Magen, und als wir uns nach ganzen 1,5 Stunden in Tallinn endlich Richtung Innenstadt aufmachten, sollten uns die „Wehen“ noch einige Zeit begleiten…
Dass Tallinns Innenstadt (UNESCO Weltkulturerbe!) besonders sehenswert sein würde, war von Anfang an klar. Wie gut uns die Stadt gefiel, hätten wir uns allerdings nie ausmalen können: Umgeben von moderner Glasarchitektur ist die komplette Altstadt mit ihren kleinen Gässchen, unzähligen Türmen und herrschaftlichen Gebäuden nagelneu restauriert, komplett verkehrsberuhigt und unglaublich sauber. Das eigentliche Highlight waren aber die vielen hüpschen Estinnen, die uns ziemlich aus dem Konzept brachten und uns spontan diverse Heiratsanträge auf Estnisch nachschlagen ließen (kas sa abiellud minuga?). Dass einige Estinnen gerade mitten in der Stadt zu „Freude schöner Götterfunken“ eine Choreographie einstudierten (Estland übernimmt und feiert gerade zum ersten Mal die EU- Ratspräsidentschaft), tat natürlich das übrige dazu.

Schweren Herzens und viel zu spät verließen wir Tallinn in Richtung Süden. Als nächster Stopp war Rummu gesetzt, wo ein ehemaliges Sowjet-Gefängnis mitsamt zugehörigem Steinbruch inzwischen in einem tiefblauen Grundwassersee versunken ist. Statt einsamer Endzeitstimmung fanden wir uns zur großen Überraschung aber plötzlich inmitten eines Techno-Festivals wieder. Der Kontakt mit einigen Besuchern war dann aber auch recht amüsant.

Die vielen noch fehlenden Tageskilometer wurden dann in alter Rallyemanier mit Maximalgeschwindigkeit abgespult. Von Rummu aus entschieden wir uns für eine 70 km lange Abkürzung durchs einsame Estnische Hinterland, und wurden mit den fahrerisch schönsten Straßen der gesamten Rallye belohnt: Durch tiefe Wälder und wunderschöne Natur führten uns kurvenreiche Offroadpisten, die von Fahrer und Navigator perfekte Zusammenarbeit und höchste Aufmerksamkeit erforderten.
Die wenigen kleinen Dörfer auf der Strecke fügten sich romantisch ins Landschaftsbild ein und vermittelten ein Stück „heile Welt“ – wäre da nicht die hunderte Meter lange Staubschleppe gewesen, die unser Pajero recht ungeniert hinter sich über die Landschaft legte.
Den letzten Halt des Tages legten wir im Seebad von Pärnu ein, wo wir uns am Strand an diversen Spielgeräten sportlich abreagierten, in eine fesselnde Cheerleader Show gerieten und uns beim Abendessen auf die letzten Kilometer in Richtung Lettland vorbereiten konnten.
Im strömenden Regen und einige umgestürzte Bäume später erreichten wir spät in der Nacht unser Übernachtungsziel im lettischen Gauja Nationalpark.

Was für ein Tag.

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