Autor: Carsten 3. Juli 2017

Stage 15: Klaipeda – Stettin (1050km | 17h)

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Nach „erholsamen“ 6h Schlaf ging es für uns in die wohl längste Rallyeetappe. Der Tag sollte uns noch einiges abverlangen.

In Anbetracht des Zeitdrucks und schlechten Wetters beließen wir es in Klaipeda bei reinem „Autotourismus“. Die kleine litauische Hafenstadt an der Memel gefiel uns aber auch beim Durchfahren der engen Gässchen recht gut. Kein Wunder, dass mitten im Hafen große Kreuzfahrtschiffe festmachen.

Den Abstecher über die Kurische Nehrung und die russische Exklave Kaliningrad hatten wir bereits am Tag zuvor aus der Karte genommen: Eigene Erfahrungen und die Meldungen anderer Teams von über 6h Wartezeit vertrieben die Motivation auf weitere russische Grenzen, diese Zeit wollten wir dann doch lieber genüsslich im Baltikum verbringen.

Dafür galt es heute, so viele Kilometer wie möglich in Richtung Deutschland zurückzulegen. Auf den wenig ausgebauten litauischen Landstraßen war Vorankommen aber schwieriger als angenommen. Heftige Schlaglochpisten wechselten sich mit kilometerlangen Baustellen und Schotterbelag ab. Als wir nach drei Stunden keine 150 km zurückgelegt hatten, konnte sich niemand mehr wirklich vorstellen, bereits 28 Stunden später in Hamburg über die Ziellinie zu rollen.
Motivation bekamen wir vom guten Zustand unseres Pajeros: Die seit einigen Tagen immer wieder festsitzende Bremse konnten wir durch Handanlegen auf einem Rastplatz endlich dauerhaft beheben.
Beharrlich spulten wir unsere Kilometer ab, und als wir am Abend zur Befriedigung diverser Bedürfnisse (Essen, Klo, Hygiene und HappyMeal) kurz nach der polnischen Grenze einen McDonalds aufsuchten, sah die Welt schon wieder ganz gut für uns aus. Kurze Zeit später trafen wir auf unsere „großen Brüder“, denn recht zufällig kamen wir direkt an einer Etappe der WRC (Rallye-Weltmeisterschaft) vorbei und mussten uns den Weg durch große Fanmassen bahnen…hätten wir das mal früher gewusst!!
Doch der weitere Weg wurde noch einmal richtig hart: Auch wenn die Landschaft in Polens Norden reizvoll hügelig und voller schöner Natur war, gestaltete sich die Fahrt auf schmalen und kurvigen Straßen als äußerst nervenaufreibend. Gegen die Mischung aus Dauerregen, einsetzender Dunkelheit, grellem Gegenverkehr und häufigem Wildkontakt konnten wir mit unseren abgeblendeten Zusatzscheinwerfern und ausgefallenem Abblendlicht recht wenig ausrichten. Da auch campen keine wirkliche Option war, blieb uns nichts anderes übrig, als langsam und konstant voranzukommen. So pressten wir bis zum Morgengrauen im ständigen Schichtwechsel aus fahren, schlafen und navigieren einfach weiter.

Gegen 6 Uhr morgens erreichten wir völlig fertig und übermüdet die deutsche Grenze. Als wäre es ein Zeichen, klarte nach 17 Stunden Fahrt durch pausenlosen Regen auch das Wetter auf und wir fielen bei erstbester Gelegenheit in unsere Zelte.

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